28.02.2007
Graf von und zu Hoensbroech: Bau eines jüdischen Museums in Köln

Der nächste Gast des Presseclubs ist Prof. Benedikt Graf von und zu Hoensbroech, Vorsitzender des Vereins zur Förderung eines Hauses und Museums der Jüdischen Kultur e.V. Er wird uns am Mittwoch, 28.Februar 2007 ab 19.30 Uhr über den Stand des geplanten Jüdischen Museums in Köln berichten. Weitere Informationen dazu im WELT-Interview vom 31. Januar 2007.
                                                                                            
"Hier stand die älteste Synagoge nördlich der Alpen"
Auch Köln wird ein jüdisches Museum bekommen: Ein Gespräch mit Benedikt Graf Hoensbroech, einem der Initiatoren des Projekts.
Von Hildegard Stausberg – 31. Januar 2007, DIE WELT
Seit vielen Jahren plant Köln den Bau eines jüdischen Museums. Umstritten war immer der Ort: Sollte es auf den Mauern des alten Judenviertels am Rathhaus entstehen, wo durch die Zerstörungen des Krieges ein Platz entstanden war, oder sollte man einen ganz anderen Ort finden? Durch einen Beschluss des Rates ist nun Bewegung in die festgefahrene Planung gekommen. Benedikt Graf Hoensbroech ist Vorsitzender der Gesellschaft zur Förderung eines Hauses und Museums der jüdischen Kultur in Köln. Der Verein wurde 1996 gegründet und hat derzeit rund 120 Mitglieder. Mit Graf Hoensbroech sprach Hildegard Stausberg.

DIE WELT: Was bedeutet der jüngste Beschluss des Stadtrats?

Benedikt Graf Hoensbroech: Wir haben den entscheidenden Durchbruch erreicht: Die Stadt will einer Bebauung des Rathausvorplatzes zustimmen. Für uns stand immer fest, dass nur das Rathhaus-Areal in Frage kommt, weil darunter das mittelalterliche jüdische Viertel liegt. Damit sind wir eigentlich am Ziel, alles andere wird folgen.

WELT: Warum musste es unbedingt dieser Platz sein?

Hoensbroech: In diesem Teil der Altstadt befand sich nun einmal im Mittelalter das Kölner Judenviertel. Und die Kölner Synagogengemeinde ist schließlich die älteste nördlich der Alpen, urkundlich erwähnt seit 321 nach Christus. Dieses Viertel ist das wichtigste Monument jüdischen Lebens am Rhein. Das dort vorhandene archäologische Bauensemble ist in Europa einzigartig. Es ist die Kombination aus der prachtvollen Mikwe, dem gut erhaltenen Keller des jüdischen Hospizes und der Synagoge, die in ihren Umfassungsmauern ebenso vorhanden ist wie die Fundamente des Thoraschreins und des Almemors. Dieses ist das einzige jüdische Lesepult weltweit, das aus Stein gearbeitet worden ist - angefertigt im hochgotischen Stil von der damaligen Dombauhütte.

WELT: Welche konkreten Schritte wird der Verein jetzt einleiten?

Hoensbroech: Die Stadt hat einen Ausschuss gegründet, der nun den Architektenwettbewerb vorbereiten wird. Die Ausschreibung finanziert übrigens die Stadt.

WELT: Die schon vorliegende komplette Planung des Architekten Joachim Schürmann, deren Finanzierung auch gesichert schien, kommt also nicht mehr zum Tragen?

Hoensbroech: Der Rat bestand auf einer neuen, internationalen Ausschreibung, und die wird jetzt ausgearbeitet. Sie soll drei Monate laufen. Natürlich kann sich Herr Schürmann daran beteiligen. Die Begutachtungsphase wird wieder ein paar Monate in Anspruch nehmen. Die Entscheidung trifft dann ein Gutachterausschuss, dem etwa 20 Leute angehören. Beraten werden wir von Winfried Rogasch, einem bekannten Judaisten, der nun für unseren Verein arbeitet. Wir beabsichtigen, ihn später als Gründungsdirektor für das Museum zu verpflichten.


 
 

WELT: Wie lange soll das gesamte Prozedere dauern?

Hoensbroech: Nach städtischer Planung ist vorgesehen, dass der Rat Ende dieses Jahres die Entscheidungen des Preisrichtergremiums absegnet. Der Förderverein nimmt dann die Detailplanung in Angriff. Wir gehen von 18 Monaten aus, bis die Baureife erreicht sein wird.

WELT: Wer finanziert den Bau?

Hoensbroech: Der Verein natürlich. Ich schätze, wir brauchen dafür 15 Millionen Euro. Das ist eine überschaubare Summe, die wir beschaffen können. Falls ein Stifter die gesamte Summe oder den größten Teil übernimmt, würde sein Name gesondert berücksichtigt. Da muss man heute ganz flexibel sein. Die günstige Finanzierung ergibt sich, weil das Land Nordrhein-Westfalen die Arbeiten an den Fundamenten bezahlt, die in die geplante archäologische Zone fallen. Wir brauchen nur den oberirdischen Teil zu finanzieren.

WELT: Was macht Sie so optimistisch? In Köln ziehen sich solche Vorhaben meistens in die Länge, wie etwa die Baustelle am Haubrich-Hof zeigt.

Hoensbroech: Unser Fall liegt anders. Denn wenn die Ausschreibung abgeschlossen und ein Entwurf ausgesucht ist, können wir als Förderverein tatkräftig die Dinge in die Hand nehmen, ohne von Haushaltsvorgaben der Stadt abhängig zu sein. Außerdem steht die Entscheidung der Stadt unter dem Titel: "Realisierungswettbewerb". Das bedeutet, dass man damit zugesichert hat, dass das Projekt des ersten Preisträgers auch umgesetzt wird.

WELT: In Berlin gibt es bereits ein spektakuläres Jüdisches Museum. Wird das nicht einen Bau in Köln immer in den Schatten stellen?

Hoensbroech: Die Objekte lassen sich überhaupt nicht vergleichen. Das Berliner Museum beeindruckt vor allem durch sein Gebäude von Daniel Libeskind. Köln dagegen hat die größte Sammlung an Judaica auf deutschem Boden. Viele andere jüdische Museen leben von Leihgaben aus Köln - so etwa Frankfurt am Main und Bonn. Zum Glück ist in Köln der Fundus aber so groß, dass man kaum etwas zurückrufen muss. Er ist gut katalogisiert und befindet sich überwiegend im Kölner Stadtmuseum. Ein jüdisches Museum Köln erschließt sich außerdem aus dem Zusammenwirken der archäologischen Zone, die eingebettet ist in eine 2000 Jahre alte Geschichte. Dieses Grabungsfeld beginnt mit dem römischen Prätorium, zieht sich über die Ausgrabungen aus der fränkischen Zeit bis hin zum alten jüdischen Stadtteil. Es gibt auf der ganzen Welt kein vergleichbares Objekt. Das Museum will auch mit der Shoa Foundation von Steven Spielberg zusammenarbeiten, mit ihm habe ich bereits darüber gesprochen.

WELT: Wird der geplante Bau der Kölner Museumslandschaft neuen Schwung verleihen?

Hoensbroech: Die geplante archäologische Zone und das jüdische Museum werden ohne Zweifel ein Publikumsmagnet für die Stadt. Außerdem wird endlich das Wallraf-Richartz-Museum aus seinem toten Winkel herausgeholt: Es wird viel mehr Besucher bekommen als bisher, denn die meisten Touristen gehen vom Dom ins Römisch-Germanische Museum und ins Museum Ludwig. Wenn das Wallraf-Richartz-Museum in der Laufzone des römisch-fränkisch-jüdischen Köln kommt, gibt es einen neuen Impuls.